Nachehelicher Unterhalt, Unterhaltsverzicht, Unterhaltsvereinbarung

Muss nach rechtskräftiger Scheidung noch Unterhalt an den geschiedenen Ehepartner gezahlt werden oder nicht?
Grundsätzlich soll nach der Scheidung jeder (ehemaliger) Partner verpflichtet sein, selbst für seinen Unterhalt zu sorgen. Dies ist aber vielfältig nicht möglich, weil gemeinsame Kinder vorhanden sind, die noch betreut werden müssen, man aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann, usw.
Wenn aber keine dieser Voraussetzungen vorliegt, z.B. im Falle einer Doppelverdienerehe ohne Kinder, im fortgeschrittenen Alter, bei vermögenden Ehegatten etc., wäre ein vollständiger und gegenseitiger Unterhaltsverzicht im Wege der notariellen Beurkundung vor Rechtskraft der Scheidung eine Möglichkeit den nachehelichen Unterhalt auf Dauer auszuschließen. Eine solche Verzichtserklärung kann jedoch auch noch im Rahmen des Scheidungsverfahren vor Gericht vereinbart werden.
Falsch ist die Annahme, dass nach Scheitern der Ehe grundsätzlich auf unbestimmte Zeit weiterhin Unterhalt nach den ehelichen Verhältnissen gezahlt werden muss. Das hätte zur Folge, dass die Ehe faktisch fortgesetzt würde.
Wenn nun eine Unterhaltsverpflichtung besteht, so gibt es vielfältige Möglichkeiten, die zu einer einvernehmlichen Lösung führen können, die z.B. auch einen Verzichtsvorbehalt „für den Fall der Not“ vorsehen.
In jedem Falle ist eine einvernehmliche unterhaltsrechtliche Einigung insbesondere zum Wohle der Kinder anzuraten.
Das Unterhaltsrecht ist vielschichtig und individuell zu betrachten und bietet Raum für Gestaltungsmöglichkeiten, die man wahrnehmen sollte.

„There are two sides to every question.  – Auf jede Frage gibt es zwei Antworten.“